„Das Unsichtbare sichtbar machen“

© Christiane Kreiß
Künstler Ludger Hinse mit dem neuen Lichtkreuz in St. Petrus. Es nimmt die Farben der Umgebung auf, sie variieren je nach Lichteinfall.

© Christiane Kreiß
Ludger Hinse (vorne) legt selbst Hand an beim Aufhängen des neuen Lichtkreuzes in St. Petrus
Künstler Ludger Hinse zu Gast bei der Weihe des neuen Lichtkreuzes der Wolfenbütteler St. Petrus-Kirche.
Im Altarraum der Kirche St. Petrus hängt seit Sonntag ein Lichtkreuz des bekannten Künstlers Ludger Hinse. „Nun wollen wir dieses Kreuz weihen mit Weihrauch“, sagt Pfarrer Eggers beim Familiengottesdienst in der voll besetzten Kirche am 3. Advent und ruft die Kinder in den Altarraum, damit diese zusehen können, wie der Weihrauch zum Kreuz aufsteigt.
Das zwei auf zwei Meter große Kreuz aus transparentem farblosem Acrylglas ist mit einer spiegelnden und lichtbrechenden Folie beschichtet, so dass es durch den Lichteinfall die Farben der Umgebung aufnimmt. Dieses Kreuz löst ein baugleiches Wanderkreuz ab.
Am vergangenen Wochenende kam der Künstler Ludger Hinse selbst nach Wolfenbüttel, half bei der Installierung des Kreuzes im Altarraum und stellte beim Familiengottesdienst der Gemeinde seine Gedanken zum Lichtkreuz vor. „Der Glaube hat Inhalte, die jenseits des Erklärbaren liegen, Kunst kann dieses Geheimnis spürbar machen. Es geht dabei auch um die Berührung der Seele“, erläutert Hinse. Er ist überzeugt: „Der Künstler ist in dem Sinne religiös, indem er im Endlichen das Unendliche sucht.“ Dabei geht es ihm um die „Sichtbarkeit des Unsichtbaren; was gezeigt werden kann, muss nicht gesagt werden.“ Wichtig ist ihm: „Das Lichtkreuz ist kein Kreuz was niederdrückt, es ist eben nicht ein Zeichen des Todes, sondern ein Zeichen der Auferstehung.“
„Beeindruckt hat uns die tiefe Glaubensüberzeugung, die Sie mit dem Lichtkreuz verbinden“, sagte Maria Kröger, Vorsitzende des Kirchortsrates St. Petrus, während des Gottesdienstes zum Künstler. Dies passe nicht nur wunderbar zum Leitmotiv ihrer Kirchenrenovierung „Kirche neu gestalten“, sondern berührte auch viele Gemeindemitglieder.
Neben dem Lichtkreuz in Wolfenbüttel hängen inzwischen Lichtkreuze in 76 – meist katholischen – Kirchen in Deutschland, darunter in Würzburg, Bautzen, Heidelberg oder Landau. Außerdem findet man seine Lichtkreuze auch in Kirchen der Niederlande, Schottlands, der Schweiz oder Chile.
Ludger Hinse wurde 1948 in Recklinghausen geboren. Er stammt aus einer katholischen Bergarbeiterfamilie. Nach der Volksschule machte er eine Lehre bei der Deutschen Bundespost, erwarb anschließend die Berechtigung zum Studium und studierte Sozialarbeit. Danach war er bei der IG-Metall und dem Deutschen Gewerkschaftsbund tätig. Neben dieser Tätigkeit begann er mit dem Malen. Schon früh beschäftigte er sich mit dem Licht. Materialien und Techniken wechselten über die Jahre, die Auseinandersetzung mit dem Thema Licht blieb.
„Nach der Sanierung der Kirche war die Anschaffung eines neuen Kreuzes für den Altarraum notwendig geworden, Stil und Farbe des bisherigen Kreuzes wirkten unpassend“, erläutert Christiane Kreiß von der Pfarreileitung. Dann habe sich die Möglichkeit ergeben, probeweise ein geliehenes Lichtkreuz des Künstlers für ein paar Monate aufzuhängen. „Dieses fand große Zustimmung, viele fühlten sich von der Symbolik des Lichtkreuzes für Hoffnung, Auferstehung, eben für das `Unglaubliche` angesprochen“, berichtet Kreiß. Auch Hinses Gedanke: „Wir brauchen den Glauben an das Unglaubliche, damit Veränderung möglich ist“, kam gut in der Pfarrei an. So wurde die Anschaffung eines neuen, eigenen Lichtkreuzes von den entscheidenden Gremien der Pfarrei und der Pfarreileitung beschlossen. Die Kosten wurden durch Spenden aufgebracht.
Sabine Moser